Ein interaktiver MultitouchTisch als multimediale Arbeitsumgebung
Karin Herrmann (RWTH Aachen)
ABSTRACT
Der Vortrag stellt ein Teilprojekt des interdisziplinären Forschungsprogramms Brain/Concept/Writing vor, das 2009 im Rahmen der Exzellenzinitiative an der RWTH Aachen gestartet wurde. Die Kooperation zwischen Literaturwissenschaftlern einerseits und Informatikern andererseits zielt insbesondere darauf ab, die zunehmende Menge verfügbarer Daten(banken) im Bereich der Geisteswissenschaften beherrschbar, d.h. auf einem individuellen Rechner vernetzt darstellbar zu machen. Daher nutzt die Literaturwissenschaft das Know-how der Human-Computer Interaction, um den Zugriff auf die archivierten Wissensbestände den unterschiedlichen Bedürfnissen der BenutzerInnen anzupassen. Ziel ist es, Instrumente zu entwickeln, die den Anforderungen netzbasierten Arbeitens in den Geisteswissenschaften entsprechen, und zwar durch die Entwicklung interaktiver Umgebungen und intelligenter Be-nutzeroberflächen.
Konkret bedeutet dies, einen interaktiven Multitouch-Tisch als innovative Arbeitsumgebung zu entwickeln, der die Stärken der konventionellen papierbasierten Arbeitsweise mit technologischen Neuerungen wie etwa digitaler Annotation verknüpft. So ist es möglich, digitale Informationen mit physisch präsenten Materialien wie Büchern zu verknüpfen und sie in Relation zu diesen anzuzeigen. Der Multitouch-Tisch wird also ein Bindeglied zwischen greifbaren und digitalen Medien darstellen. Dabei soll der Tisch alle Vorteile erhalten, die das Arbeiten mit Büchern und Papier bietet, d.h. er soll literaturwissenschaftliches Arbeiten unterstützen und zusätzliche Möglichkeiten schaffen, ohne daß gewohnte Arbeitsabläufe aufgegeben werden müssen.
Der spezifische Ansatz des Projekts besteht darin, die Bedürfnisse der NutzerInnen von vorneherein in den Entwicklungsprozeß einzubeziehen; qualitative Interviews sowie mehrere Iterationen von Nutzerstudien dienten sowohl der Optimierung der Benutzeroberfläche als auch der Untersuchung der Akzeptanz des digitalen Medi-ums bei den NutzerInnen.
Die Entwicklung des Multitouch-Tisches zielt in erster Linie darauf ab, eine neuartige Umgebung für komplexe literaturwissenschaftliche Arbeitsvorhaben zu schaffen. Insbesondere Arbeitssituationen, die das parallele Arbeiten mit Büchern und Datenbanken erfordern, sollen unterstützt werden; gedacht ist hier in erster Linie an LiteraturwissenschaftlerInnen, doch die Anwendungsmöglichkeiten sind damit längst nicht ausgeschöpft - auch Nutzungen etwa für interaktive Ausstellungen und Projekte in Bibliotheken, Archiven und Museen sind für die Zukunft denkbar und wünschenswert. Insofern versteht sich das Forschungsprojekt als Beitrag zur Innovation auf dem Feld der eHumanities.
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