Bibliotheken und Bibliothekare im Datenmanagement
Stephan Büttner / Stefanie Rümpel (FH Potsdam)
ABSTRACT
Bibliotheken und Bibliothekare stehen traditionell am Ende des geistigen Schaffensprozesses. Sie konzentrieren sich auf die Ergebnisse der Forschungsarbeit, die Publikationen, erschließen diese und stellen sie zur Verfügung. Die digitalen Ressourcen nehmen rasant zu und beschränken sich nicht mehr auf elektronische Publikationen, da Daten sich zunehmend zu einem zentralen Thema entwickeln. Mit teilweisen oder komplett virtuellen Forschungsumgebungen ändert sich das Aufgabengebiet der in die Informationsinfrastruktur eingebundenen Experten gravierend. Von der Ideengenerierung über die experimentelle Datenerhebung, der Aggregation, der Kollaboration bis zur Publikation stellen sie eine Forschungsumgebung bereit und begleiten den Forschungsprozess von Anfang bis Ende.
Der Beitrag gibt anhand aktueller Ergebnisse von Forschungsprojekten sowie einer Graduierungsarbeit einen Überblick über die Rolle der Informationsinfrastruktur in Wissenschaft und Forschung und zeigt Desiderate informationswissenschaftlicher Forschung. Dabei werden unterschiedliche Kompetenzanforderungen diskutiert und einer eher technisch ausgeprägten Ausrichtung eine Absage erteilt. Es geht um genuin informationswissenschaftliche Tätigkeiten und Fertigkeiten, wie Wissensmanagement, Fähigkeiten zur Bewertung und Einordnung in Kontexten. In den anglo-amerikanischen Ländern gib es seit einiger Zeit das Berufsbild „Data Librarian" in wissenschaftlichen Einrichtungen. Seit etwa 2005 werden hauptsächlich in Universitätsbibliotheken entsprechende Stellen ausgeschrieben.
Ist dies auch eine Option für Deutschland? Es wird der Frage nachgegangen, welche Kompetenzen für das Berufsbild „datenorientierte Bibliothekare" die z.Z. ausgebildeten Diplombibliothekare bzw. BA bereits vorweisen können und inwieweit neue Kompetenzen gefordert werden um Tätigkeiten im Forschungsdatenmanagement zu übernehmen.
Zur Beantwortung der Fragestellung dienten Interviews mit deutschen Experten sowie ein Vergleich von Stellenausschreibung zu „Data Librarians" weltweit. Dabei zeigte sich, dass Bibliothekare über viele wesentliche Kompetenzen, die für den Umgang mit dem Informationsobjekt Forschungsdaten notwendig sind, bereits durch die „klassische Ausbildung" besitzen. Daraus resultierend erfolgt eine Aufführung aller ausführbaren Tätigkeitsfelder für datenorientierte Bibliothekare. Als wesentlichstes Problem kristallisierte sich heraus: die Bewusstseinsbildung für die Thematik Forschungsdaten bei den Bibliothekaren zu entwickeln. Dahingehend werden Optionen für die bibliothekarische Aus- und Weiterbildung diskutiert.
Eine Analyse der derzeitigen Nachfrage von datenorientierten Bibliothekaren in Deutschland rundet das Bild ab.

